Die Welt der Hunde: Können Hunde Farben sehen?

Als Hundehalter gibt man sich alle Mühe, um die Umgebung für seinen Hund so schön wie möglich zu gestalten. Man kauft Leinen, Halstücher und Hundespielzeuge in vielen verschiedenen Farben und versucht somit, die Welt seines Vierbeiners ein wenig bunter und glücklicher zu machen. Doch können Hunde Farben überhaupt sehen und diese Bemühungen unsererseits richtig wahrnehmen? Lange konnte sich das Gerücht aufrechterhalten, Hunde seien farbenblind und könnten ausschließlich Schwarz und Weiß sehen. Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurden die viel diskutierten Fragen „Können Hunde Farben sehen?“ und wenn ja, „welche Farben sehen Hunde?“ erstmals wissenschaftlich untersucht. Tatsächlich ist das Farbenspektrum eines Vierbeiners zwar nicht ganz so ausgeprägt wie das eines Menschen, doch Hunde können definitiv einige Farben sehen. Das Hundeauge ist zwar ähnlich aufgebaut wie das menschliche, doch die Sichtweise eines Hundes hebt sich klar von der unseren ab. Hunde haben nicht nur eine eingeschränkte Wahrnehmung der Farben, sondern sie sind auch noch allesamt kurzsichtig. Diese Veranlagung ist in ihrer Natur als Jäger begründet. Stillstehende Objekte oder Lebewesen können sie in weiter Ferne fast gar nicht erkennen. Dafür sind ihre Augen darauf ausgerichtet, selbst bei schlechten Lichtverhältnissen Bewegungen wahrzunehmen und diese klar und deutlich zu sehen. Bei einem Menschen ist es genau das Gegenteil. Während wir ungefähr bis zu 20 Meter weit problemlos sehen können, haben wir bei Dämmerung oft Probleme damit, genauso schnell auf optische Reize zu reagieren wie bei Tageslicht. Schnelle Bewegungen verschwimmen für unsere Augen, sodass es für uns nahezu unmöglich ist, kleinere Details an einem bewegten Menschen oder Objekt wahrzunehmen.

Welche Farben sehen Hunde?

Um zu erfahren, welche Farben Hunde sehen können, wurden im Laufe der Zeit viele Experimente und Studien durchgeführt. Die Ergebnisse belegen sehr nachvollziehbar, wie Hunde sehen und worin diese Unterschiede begründet sind. Man kann ihre Wahrnehmung mit der eines rotgrün-farbenblinden Menschen vergleichen. Ihr Spektralbereich umfasst verschiedene Abstufungen der Farben Gelb, Grau und Blau. Rote Nuancen werden für Hunde anders wiedergespiegelt als für uns. Während es für uns eine sehr gut erkennbare Signalfarbe ist, sehen sie stattdessen eher einen gelblichen Ton. Wenn du einen roten Ball auf eine grüne Wiese wirfst, wird es deinem Hund daher schwerfallen, den Unterschied zwischen dem Ball und dem Boden festzustellen. Für ihn sind beide Oberflächen gelb und damit nur schwer voneinander zu differenzieren. Wir raten dir deshalb dazu, vorwiegend blaue Spielzeuge für deinen Hund zu kaufen, solltest du vorhaben, sie oft auf grünem Untergrund zu benutzen. Ansonsten kann es sein, dass du deinem Vierbeiner wiederholt bei der Suche nach geworfenen Spielzeugen helfen musst.

Wie sehen Hunde? Die Anatomie des Hundeauges

Um zu beantworten, ob Hunde Farben sehen können und wie genau ihr Sehapparat funktioniert, muss man sich mit der Anatomie des Hundeauges befassen. Ebenso wie bei einem Menschen befinden sich in der Netzhaut eines Hundes sogenannte Stäbchen und Zapfen, die als Lichtempfänger dienen. Der Mensch besitzt drei unterschiedliche Zapfenarten, von denen jeder auf einen anderen Spektralbereich ausgerichtet ist. Das führt dazu, dass wir bei Licht Variationen und Zusammensetzungen aus Rot-, Grün- und Blautönen wahrnehmen können. Ganz allein dank dieser drei Grundfarben ist es uns möglich, bis zu 200 Farbtöne zu sehen und ein Leben voller bunter Szenen zu genießen. Doch wie sehen nun Hunde? Ein Hund ist ein Dichromat, was im Fachjargon bedeutet, dass auf seiner Netzhaut nur zwei verschiedene Zapfenarten verankert sind. Bei ihm fehlt derjenige Rezeptor, der für das Empfangen roter Farbeindrücke verantwortlich ist. Dafür hat ein Hund jedoch deutlich mehr Stäbchen, welche das Hell-Dunkel-Sehen regulieren. Dieser Aufbau bewirkt, dass er im Dunkeln besser sehen kann als ein Mensch.

Wieso sehen Hunde die Welt so eingeschränkt?

Der Ursprung dafür, wie Hunde sehen, ist wieder einmal auf die Vergangenheit des Hundes zurückzuführen. Bevor die Vierbeiner domestiziert und somit von uns Menschen verwöhnt wurden, mussten sie ihr Futter selbstständig und in der freien Natur jagen. Dieser Aufgabe gingen sie entweder kurz vor dem Sonnenaufgang oder in der Abenddämmerung nach. Um zu diesen Zeiten gut zu sehen, muss man verschiedene Abstufungen von Blautönen unterscheiden können. Ohne die Strahlen der Sonne hat das vom Himmel reflektierte Licht nämlich einen sehr hohen Blauanteil. Hunde entdeckten ihre Beute nur so schnell, weil sie durch ihre Anatomie die unterschiedlichen Blaunuancen gut auseinanderhalten können. Andere Farben wie Rot oder Grün waren hingegen weniger relevant für ihre Jagd.

Gibt es noch andere Unterschiede darin, wie Hunde sehen?

Abgesehen davon, welche Farben Hunde sehen und wie sie optische Reize in der Dunkelheit wahrnehmen, bestehen noch andere Unterschiede zu der Sichtweise von uns Menschen. Auch diese rühren natürlich von ihrem früheren Jägerdasein her. Da Hunde zur damaligen Zeit die Gegend regelmäßig nach neuer Beute absuchen mussten, hat ihr Gesichtsfeld einen größeren Winkel als der eines Menschen. Somit können sie innerhalb kürzerer Zeit mehr sehen und ihre Beute schneller entdecken. Dafür ist jedoch ihre Tiefenwahrnehmung weniger als halb so gut wie die von uns. Letztendlich hat also jede Sichtweise ihre Vor- und Nachteile und ist von der Natur perfekt auf den jeweiligen Aufgabenbereich des Lebewesens abgestimmt.